Aktionsgemeinschaft "Rettet den Burgwald" e.V.
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Tagfalter Teil I

Die Rote Liste der Tagfalter Hessens aus dem Jahr 2009 gibt für unser Bundesland nur 104 bodenständig vorkommende Tagfalterarten an. Hinzu kommen noch einige "Streuwanderer", welche zwar in Hessen nachgewiesen wurden aber hier vermutlich keine Nachkommen entwickeln. Allerdings stehen dieser Zahl schon 27 Arten gegenüber, die ursprünglich ebenfalls bei uns heimisch waren, inzwischen aber schon als ausgestorben oder verschollen gelten. Lediglich weniger als ein Drittel der hessischen Tagfalter (= 28 Arten) sind ungefährdet.

 

Im Folgenden möchten wir einige (Tag-)Falter vorstellen, die im Bereich des Burgwaldes (noch) entdeckt werden können:

 

 

 

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Der Schwalbenschwanz ist mit seiner charakteristischen gelb-schwarzen Flügelzeichnung vielleicht der schönste, sicherlich aber einer der größten heimischen Tagfalter. Mitunter ist er schon im April bei uns zu entdecken und bis zum September bildet er zwei bis drei Generationen aus. Die weit umherschweifenden Falter bevorzugen als Lebensraum Mager- und Trockenrasen, Brachflächen, Streuobstwiesen, Gemüsegärten und nicht überdüngte Mähwiesen mit hohen Anteilen an Doldengewächsen, welche die Nahrungspflanzen der Raupen darstellen. Dazu zählen die Kleine Bibernelle, Wilde und die Garten-Möhre, Fenchel, Dill, div. Haarstrang-Arten, Petersilie und andere.

In der Roten Liste der Tagfalter Hessens 2009 wird der Schwalbenschwanz als eine Art der Vorwarnliste (V) geführt, d.h. sein Bestand ist in den letzten Jahren merklich zurück gegangen. Ursachen dafür sind die Überdüngung und intensive Nutzung von Grünland, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die häufige Mahd von Wegerändern und Böschungen, das Mulchen von Brachflächen und Gemüsefeldern, usw.  Beim Fortbestehen dieser schädigenden Einflüsse ist ein weiterer Rückgang dieser Art wahrscheinlich! 

 

 

 

 

 

Weißklee-Gelbling (Colias hyale)

Diese grünäugige Schönheit würden die meisten wohl als Zitronenfalter bezeichnen. Allerdings handelt es sich "nur" um einen etwas weniger häufigen Verwandten, einen Gelbling.

Bei dem hier gezeigten Exemplares dürfte es sich um einen Weißklee-Gelbling (Colias hyale) handeln. Der äußerlich nicht von ihm zu unterscheidende Hufeisenklee-Gelbling kommt in eher trocken-warmen Biotopen wie Mager- und Trockenrasen vor.

Dieser auch Goldene Acht genannte Tagfalter ist ebenfalls in den letzten Jahren in seinem Bestand deutlich zurück gegangen. Dabei nutzt diese Art eine große Zahl unterschiedlicher Lebensräume. Das Spektrum reicht von Feldern, Wiesen und Weiden, Rasenflächen, Böschungen und Dämmen, Brachflächen bis zu Magerrasen. Die Raupen entwickeln sich auf Weiß-Klee, Hopfenklee, Luzerne, Gewöhnlicher Hornklee und verschiedenen Wickenarten. Von Mai/Juni bis zum Oktober sind die blassgelben Falter bei uns zu finden. Auch der Weißklee-Gelbling leidet unter einer zu intensiv betriebenen Landwirtschaft, der Überdüngung von Wiesen, häufiger maschinell betriebener Mahd von Grünland und dem Einsatz von chemischen Spritzmitteln.

 

 

 

 

 

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Der Zitronenfalter gehört zu den noch recht häufigen Tagfalterarten und gilt in ganz Deutschland als "nicht gefährdet". Er überwintert als Falter an geschützten Stellen im hohen Gras, in der Laubstreu oder an der Unterseite der Blätter von immergrünen Pflanzen, wie Efeu und Stechpalme. Dabei übersteht er durchaus Temperaturen von Minus 20 Grad! Er gilt als gern gesehener Frühlingsbote, denn an den ersten warmen Tagen des Jahres verlässt er sein Winterversteck und sucht nach bereits Nektar liefernden Blüten und paarungsbereiten Partnern. Die charakteristische hellgelbe Färbung weisen nur die männlichen Falter auf, die Weibchen besitzen eine unauffälligere blass-hellgrüne Farbe. Die Eier werden ausschließlich an Faulbaum oder Echtem Kreuzdorn abgelegt. Hier entwickeln sich die hellgrün gefärbten Raupen innerhalb weniger Wochen, verpuppen sich und ergeben noch im gleichen Sommer die neue Faltergeneration. Diese überwintert schließlich wieder. Der Zitronenfalter besitzt also ein für Schmetterlinge ausgesprochen langes Leben. Während sich für viele Tagfalterarten das Leben als "fertiger" Falter bereits nach zwei bis drei Wochen wieder dem Ende zuneigt, schafft der Zitronenfalter ein ganzes Jahr!

 

 

 

 

 

Tintenfleck-Weißling (Leptidea sinapis/reali/juvernica)

Erst in den 80er Jahren erkannten Spezialisten, dass es sich bei dem Tintenfleck- (auch Senf-)Weißling um einen Artkomplex aus eigentlich zwei eigenständigen Arten handelte. Neu beschrieben wurde der Reals Schmalflügel-Weißling (L. reali), der äußerlich überhaupt nicht vom Tintenfleck-Weißling (L. sinapis) unterschieden werden kann. Eine genaue Diagnose der Arten ist nur über die Untersuchung der Genitalien unter dem Mikroskop möglich. Inzwischen wurde auch L. reali wiederum in zwei Arten aufgespalten, die sich lediglich auf genetischer Ebene unterscheiden lassen. Demnach wird L. reali ein Verbreitungsgebiet von den Pyrenäen bis nach Nord-Italien zugewiesen und die mitteleuropäische Arten gehören zur "neuen" Art L. juvernica. Bei uns können also theoretisch zwei gleich aussehende Tintenfleck-Weißlingsarten vorkommen.

Von den übrigen Weißlingen unterscheiden sich diese Arten durch die deutlich geringere Größe und ein weniger gutes Flugvermögen. Ihre Raupen entwickeln sich an Schmetterlingsblütlern.

In der Hessischen Roten Liste wird L. sinapis in der Vorwarnliste geführt.

 

 

 

 

 

Großer Kohl-Weißling (Pieris brassicae

Als Kulturfolger, dessen Raupen sich in erster Linie von verschiedenen Kohlarten ernähren, galt der Große Kohl-Weißling in früheren Jahrzehnten auf Gemüseäckern und in Gärten als ein nicht unbedeutender Schädling. Inzwischen ist seine Bestandsentwicklung deutlich rückläufig, was vor allem auf den verbreiteten Einsatz von Pestiziden zurück zu führen sein dürfte. Gegenüber seinen kleineren Verwandten lässt sich der Große Kohl-Weißling, neben dem Größenunterschied, durch den ausgedehnteren schwarzen Spitzenfleck auf der Vorderflügel-Oberseite unterscheiden. Dieser reicht am Flügelhinterrand immer bis zur Mitte.

 

 

 

 

 

Grünader-Weißling (Pieris napi)

Von anderen bei uns vorkommenden Weißlingsarten lässt sich der Grünader- (früher Raps-) Weißling durch die dunkle Zeichnung der Adern auf der Hinterflügelunterseite unterscheiden. Die Raupen entwickeln sich auf wild wachsenden Kreuzblütlern. Der Falter fliegt in mehreren Generationen von April bis September und ist bei uns immer noch recht zahlreich- auch in Gärten- zu finden.

 

 

 

 

 

Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

Nur die Männchen des Aurorafalters tragen die charakteristischen orangen Flecken auf den Vorderflügeloberseiten. Die Weibchen besitzen auf ihren weißen Flügeln hingegen einen schwarzen Spitzenfleck. Beide Geschlechter weisen auf ihren Hinterflügelunterseiten grüne Sprenkel auf.

Die Flugzeit dieses Falters liegt von April bis Juni.

Als Nahrungspflanzen für die Raupen dienen Wiesen-Schaumkraut, Knoblauchsrauke und weitere Kreuzblütler. Die Überwinterung findet festgesponnen als Gürtelpuppe an Pflanzenstängeln statt. 

 

 

 

 

 

Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae)

Nach mehreren Jahren, in denen der Falter im Burgwald als verschollen galt, konnten wir im Sommer 2017 in nördlichen Burgwald dieses Weibchen entdecken.

 

Rote Liste Hessen: "stark gefährdet" (2), RL BRD: Art der Vorwarnliste (V)

 

 

 

 

 

Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)

Auch der Kleine Feuerfalter gehört noch zu den weit verbreiteten und nicht eben seltenen Tagfaltern. Dabei wird dieser zur Familie der Bläulinge zählende, relativ kleine und auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Falter jedoch häufig übersehen.

Nachdem seine an Ampferarten lebenden Raupen den Winter überstanden haben, kann man den Kleinen Feuerfalter ab April bei uns finden. Er zeigt sich bis in den Oktober hinein (auch häufig in Gärten) und hat innerhalb dieser Zeit vier, an optimalen Standorten möglicherweise auch fünf (!) Generationen gebildet, welche sich stark überschneiden. Die Individuenzahl nimmt dabei im Normalfall mit den Generationen zu, so dass im Spätsommer mit den meisten Faltern zu rechnen ist.

 

 

 

 

 

Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus)

Der Braune Feuerfalter lässt sich an der schwefelgelben Färbung seiner Hinterflügelunterseiten erkennen. Seine Raupen entwickeln sich an Kleinem und Großem Sauerampfer. Auch dieser schöne Falter bevorzugt als Lebensraum extensiv genutztes Grünland, sowie Waldränder, Schneisen, Lichtungen und Ackerbrachen, wo man ihn von Mai bis September finden kann. Die Rote Liste Hessens 2009 führt ihn als eine Art der Vorwarnliste (V), in einigen anderen Bundesländern liegt sein Gefährdungsgrad bereits höher.

Foto oben: Weibchen; Foto unten: Männchen

 

 

 

 

 

Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae)

 

Das gemeinsame Merkmal, der zur Familie der Bläulinge zählenden Zipfelfalter, sind die kurzen Schwänzchen, die sich an den Hinterflügel-Enden befinden. Der hübsche Nierenfleck-Zipfelfalter fällt durch seine orangefarbigen Flügelunterseiten auf.

Lediglich die Weibchen tragen auf den Oberseiten der Vorderflügel die namensgebenden nierenförmigen, orangefarbenen Flecken.

Ansonsten sind die Oberseiten bei beiden Geschlechtern braun. Der Falter fliegt von Juli bis Anfang Oktober in gebüschreichen Feldfluren und Heckenlandschaften, an Waldrändern, Lichtungen, Streuobstwiesen, buschigen Hängen und Böschungen aber auch in Gärten im Siedlungsbereich.

Als Nahrungspflanze für die asselförmige, fein gezeichnete Raupe dient vor allem die Schlehe, aber auch Pflaume, Kirsche und Zwetschge.

Die Rote Liste Hessen 2009 führt diesen Falter als eine Art der Vorwarnliste (V) auf.

Dank an G. Steckbauer, Schönstadt, für das Ermöglichen des Raupenfotos.

 

 

 

 

 

Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni)

Bereits ab Ende Mai ist der Pflaumen-Zipfelfalter bei uns zu finden. Auch seine Raupen entwickeln sich vorwiegend an Schlehe, seltener auch an Zwetschge, Mirabelle und Pflaume. Durch radikale "Pflegemaßnahmen" an Schlehenhecken und -gebüschen, wie dem großflächigen "auf den Stock setzen", ist sein bevorzugter Lebensraum trotz der weiten Verbreitung der Schlehe inzwischen gefährdet. Einzelne Populationen können so schnell vernichtet werden. In der Roten Liste Hessen 2009 wird dieser schöne Falter, der durch seine orangefarbene Binde und der deutlichen Punktreihe auf der Hinterflügel-Unterseite zu erkennen ist, bereits in der Vorwarnliste (V) geführt.

 

 

 

 

 

Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi)

Zwar zählt der Grüne ( auch genannt Brombeer-) Zipfelfalter zu den eher kleinen Tagfaltern, doch stellt er eine echte Schönheit innerhalb unserer heimischen Tagfalter-Fauna dar. Er weist als einziger komplett grüne Flügelunterseiten auf, die bei "frischen" Exemplaren und entsprechendem Lichteinfall ein wunderbares Farbspiel zeigen. Da er sich stets mit geschlossenen Flügeln niedersetzt, bekommt man die einfarbig bräunlichen Flügeloberseiten höchstens im Flug zu sehen. Schon ab Ende April lässt er sich bei uns an sonnigen Waldrändern, entlang von Hecken, auf Waldlichtungen und Ruderalflächen entdecken. Seine Raupen ernähren sich an einer Vielzahl von Wirtspflanzenarten, u.a. Brom- und Himbeere, Ginster, Hartriegel, Heidel- und Preiselbeere usw. Die Überwinterung erfolgt als Puppe. In den Roten Listen Hessen 2009 und BRD 2011 gehört dieser Falter jeweils in die Vorwarnliste (V).

 

 

 

 

 

Blauer Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus)

Die Raupen des Eichen-Zipfelfalters fressen an den Blüten und später an den Blättern von Eichen.

Man geht bei dieser Art davon aus, dass sie zu den häufigsten Tagfaltern gezählt werden kann. Da sich die Tiere jedoch fast ausschließlich in den Wipfelregionen der Bäume aufhalten, gelingen Sichtungen jedoch ausgesprochen selten. Nur gelegentlich halten sie sich in Bodennähe auf und saugen an Blüten oder feuchten Erdstellen.

Das gezeigte Weibchen wies vermutlich durch einen "Schlupfunfall" deformierte Flügel auf, die es ihr unmöglich machten zu fliegen.

   

 

 

 

 

 

Zwerg-Bläuling (Cupido minimus)

Der Zwerg-Bläuling ist unsere kleinste heimische Bläulingsart. Seine Raupen leben fast ausschließlich an den Blüten des Wundklees. Somit ist die Art meist nur in dessen Umfeld an mageren, häufig kalkreichen Standorten zu finden.

Die Rote Liste Hessen 2009 führt die Art in der Kategorie "gefährdet" (3).

 

 

 

 

 

Kurzschwänziger Bläuling (Cupido argiades)

Willkommen im (am) Burgwald!

 

Seit einigen Jahren ist der Kurzschwänzige Bläuling auch in Hessen in Ausbreitung begriffen. In 2012 konnte er auch erstmals (wieder?) am Rande des Burgwalds in der Nähe von Mellnau beobachtet werden. Offenbar profitiert diese Art durch die überdurchschnittlich warmen Jahre der jüngeren Vergangenheit, so dass sie ihr Haupt-Verbreitungsgebiet, welches in den letzten Jahrzehnten in der Oberrheinebene lag,  ausdehnen und viele Regionen wiederbesiedeln konnte.   

Seit 2013 ist die Art bei uns sogar an vielen Stellen in recht großer Zahl zu finden. Man darf gespannt sein, ob es ihr gelingt sich dauerhaft in unserer Region zu etablieren.

In der Roten Liste BRD 2011 in der Kategorie Vorwarnliste (V) geführt.

 

 

 

 

 

Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus)

Den Faulbaumbläuling findet man bei uns bereits im April, meist ist er der erste Bläuling eines Jahres. Er besiedelt ein breites Spektrum an Biotopen, so dass er im Bereich des Burgwalds noch recht verbreitet vorkommt. Seine Raupen entwickeln sich an einer Vielzahl von Kräutern, Stauden und Sträuchern.

 

 

 

 

 

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)

Dieser unscheinbare, kleine, zur Familie der Bläulinge zählende Schmetterling besitzt einen äußerst bemerkenswerten und komplizierten Lebenszyklus. Dieser ist eng verzahnt mit den Blüten des Großen Wiesenknopfes, welcher als nahezu einzige Nektarpflanze der Falter dient. Die Blüten fungieren weiterhin als Schlafplatz, auf ihnen finden Balz und Paarung statt und nur hier werden die Eier abgelegt.

Die sich daraus entwickelnden Räupchen fressen zunächst innerhalb der Wiesenknopf-Blüte. Halb erwachsen begeben sie sich aber dann auf den Erdboden, wo sie von ganz bestimmten Ameisenarten (Gattung Myrmica) "adoptiert" und in deren Nest gebracht werden. Im Ameisennest lebt die Bläulingsraupe nun nicht mehr vegetarisch sondern ernährt sich als Räuber von den Ameisenlarven. (Bis zu 600 Stück pro Raupe!) Nach der Überwinterung verpuppt sich die Raupe im Juni und der fertige Falter verlässt das Ameisennest im folgenden Monat. Für den Bestand einer Falterpopulation sind also sowohl die Lebensbedingungen des Großen Wiesenknopfes als auch die der Wirtsameise von existentieller Bedeutung. Ein Paradebeispiel für die Komplexität von Beziehungen in der Natur! Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling wird in der Roten Liste Hessen als "gefährdet" (3) eingestuft. Ein weiterer "Mitspieler" in diesem komplizierten Beziehungsgefüge ist die hoch spezialisierte Schlupfwespe Neotypus melanocephalus, welche die Raupen des Falters parasitiert. (siehe Rubrik "Bienen und Wespen")

 

 

 

 

 

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius)

Bei dem Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) handelt es sich um eine besonders seltene Art, die sowohl in der hessischen wie auch in der bundesdeutschen Roten Liste als "stark gefährdet" (2) gelistet wird. Er findet sich ferner in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie, ist somit durch europäisches Recht geschützt.

Bislang war der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling in unserer näheren Umgebung nur aus dem Maculinea-Schutzgebiet bei Neustadt bekannt. Auch die Grunddaten-Erhebung für das FFH-Gebiet Wohraaue aus dem Jahr 2006 führte diesen Schmetterling nicht auf. Bereits im letzten Jahr jedoch wurden südlich von Rauschenberg einige Exemplare im Rahmen der Untersuchungen zur Ausweitung der Trinkwassergewinnung durch das Wasserwerk Wohratal gefunden. Mit unserem aktuellen Fund ca. 1 km weiter nördlich lässt sich nun offenbar davon ausgehen, dass die Art sich inzwischen in der Wohraaue etabliert. Ein weiterer Beleg auch gerade für die ökologische Bedeutung des Wohratales. 

 

 

 

 

 

Kleiner Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis)

Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling bildet mit dem Großen Sonnenröschen-Bläuling (Aricia ataxerxes) einen Artenkomplex, beide Arten lassen sich über morphologische Merkmale nicht eindeutig voneinander unterscheiden. Der Große Sonnenröschen-Bläuling ist allerdings die seltenere der beiden Arten, die wohl ausschließlich auf trocken-warmen, kalkreichen Magerrasen vorkommt und in Hessen nur aus dem nördlichen Landesteil bekannt ist. Das hier gezeigte Weibchen, welches einen Garten in Mellnau besuchte, kann demnach mit höchster Wahrscheinlichkeit als Kleiner Sonnenröschen-Bläuling bestimmt werden.

Die Raupen des schön gefärbten Bläulings fressen an verschiedenen Storchschnabel-Arten und dem namensgebenden Gewöhnlichen Sonnenröschen. Er entwickelt zwei Generationen im Jahr. Die Oberseiten beider Geschlechter sind übrigens bräunlich gefärbt, dem Männchen fehlt also die in dieser Familie "meist übliche" blaue Flügelfarbe.

Die Rote Liste Hessens 2009 verzeichnet diesen Falter in der Vorwarnliste (V)

 

 

 

 

 

Rotklee-Bläuling (Polyommatus semiargus)

Die Geschlechter vieler Bläulingsarten unterscheiden sich in ihrer Färbung recht deutlich voneinander. Meist sind es die Männchen, die auf den Flügeloberseiten die namensgebende blaue Farbe besitzen. Wie auch beim Rotklee-Bläuling sind dagegen die Weibchen oberseits eher unauffällig gefärbt. Sie weisen zumeist eine braune Grundfarbe auf, die bei manchen Arten noch mehr oder weniger stark blau "angehaucht" sein kann.

Die Flügelunterseiten tragen charakteristische Punktzeichnungen, die häufig zur Unterscheidung der Arten dienen können.

Der Rotklee-Bläuling besiedelt wenig gedüngte und selten gemähte Wiesen, Dämme, Böschungen, Ruderalflächen und Streuobstwiesen. In der Roten Liste Hessen 2009 eine Art der Vorwarnliste (V)

 

 

 

 

 

Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Weit verbreitet und in seinem Bestand noch nicht gefährdet ist der Hauhechel-Bläuling, die häufigste "blaue" Bläulingsart (Männchen).

unteres Foto: Weibchen

Seine Raupen nutzen eine Vielzahl von Schmetterlingsblütlern, wie diverse Klee-, Hauhechel-, Luzernearten und Bunte Kronwicke. Die Falter fliegen in mehreren Generationen von Mai bis Oktober und finden sich vor allem in blumenreichen, nicht überdüngten Biotopen des Offenlandes.

 

 

 

 

 

Kaisermantel (Argynnis paphia)

Der anmutige und auffällige Kaisermantel ist ein typischer Waldbewohner. Man findet ihn entlang von Forstwegen, auf Schneisen und Lichtungen, an Waldrändern und auch in waldnahen Gärten. Die Männchen besitzen eine orange Grundfarbe (Foto oben), die der Weibchen ist eher bräunlich, zuweilen mit einem grünlichen Schimmer (Foto unten).

Gelegentlich tritt ausschließlich bei weiblichen Faltern eine abweichend gefärbte Variante auf, die als Argynnis paphia f. valsina bezeichnet wird. Anstelle einer orange-braunen zeigt sich diese Form mit einer grün-grauen Grundfärbung, die mit der dunklen Zeichnung versehen ist.

Die Raupen des Kaisermantel entwickeln sich an verschiedenen Veilchenarten und überwintern. Auch dieser recht große Tagfalter wird in Hessen als eine Art der Vorwarnliste (V) geführt. 

 

 

 

 

 

Feuriger Perlmutterfalter (Argynnis adippe)

Besonders gefreut hat uns im Sommer 2013 der Fund des hier gezeigten Feurigen Perlmutterfalters (Argynnis adippe).

Der Schmetterling findet sich auf mageren Waldwiesen, Lichtungen und Schlagfluren. Seine Raupen entwickeln sich an Veilchen-Arten.

Diese seltene Art wird in der Roten Liste Hessens 2009 unter "stark gefährdet" (2) , in der Roten Liste Deutschlands 2011 unter  "gefährdet" (3) geführt.

 

 

 

 

   

Kleiner Perlmutterfalter (Issoria lathonia)

Auf seiner Hinterflügel-Unterseite trägt der Kleine Perlmutterfalter unübersehbar mehrere große, perlmuttähnlich schimmernde Flecken. Mit ihnen lässt er sich von anderen bei uns vorkommenden Perlmutterfaltern eindeutig unterscheiden.

Er fliegt bei uns in mehreren Generationen von April bis in den November hinein und findet sich vor allem auf offenen Flächen, auf Wiesen, Brachen, an Böschungen und Dämmen, auf Stoppeläckern und noch wenig gemähten Ackerrändern. Die bevorzugte Nahrungspflanze seiner Raupe ist das Acker-Stiefmütterchen. Die Überwinterung erfolgt als halberwachsene Raupe.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft hat diese ehemals weit verbreitete Art in den letzten Jahrzehnten dramatische Bestandseinbußen erfahren. Das schnelle Umbrechen von Stoppeläckern nach der Getreideernte und der verstärkte Einsatz von Spritzmitteln in der Feldflur zerstören die für die Entwicklung der Raupen benötigten Habitate.

 

 

 

 

 

Braunfleckiger Perlmutterfalter (Boloria selene)

Noch seltener als die zuvor genannte Art tritt der Braunfleckige Perlmutterfalter bei uns auf. Zu finden ist er noch in einigen Naturschutzgebieten im zentralen und nördlichen Burgwald. Seine Raupen entwickeln sich an verschiedenen Veilchen-Arten.

Der Falter lässt sich gut an dem dicken schwarzen Punkt nahe der Flügelbasis auf der Hinterflügel-Unterseite von anderen Perlmutterfaltern unterscheiden. Die Rote Liste Hessen führt diese Art schon als "stark gefährdet" (2). Auf dem obigen Foto saugt ein Falter im zentralen Burgwald an einer Arnika, die bei den hessischen Pflanzen ebenfalls zu den "stark gefährdeten" Arten zählt.

Gelegentlich treten bei Schmetterlingen so genannte Aberrationen wie bei diesem Braunfleckigen Perlmutterfalter auf. Dabei handelt es sich um Farbabweichungen, welche die normale Variationsbreite z. B. von Flügelzeichnungen überschreitet. Entstehen können diese Abweichungen durch die Einwirkung ungewöhnlicher Umweltbedingungen während der Entwicklung der Falter, beispielsweise durch extreme Temperaturen.

 

 

 

 

 

Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino)

Der Mädesüß-Perlmutterfalter besiedelt feuchte bis nasse Brachen und ungemähte (!) Hochstaudenfluren mit Mädesüß oder Großem Wiesenknopf, welche die Nahrungspflanzen für die Raupen des Falters darstellen.

Seine Flugzeit liegt zwischen Juni und August.

Als Erkennungsmerkmal gegenüber anderen Perlmutterfaltern dient die schmale violette Binde auf der Unterseite der Hinterflügel.

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